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Posing-Tabellen für Fotografen

Aus: Das Porträt, 2. Auflage von Glen Rand und Tim Meyer

Posing bedeutet, dass man das Motiv dazu bringt, seine körperliche Position zu verändern, um das visuelle Interesse zu steigern, zu schmeicheln, Emotionen auszudrücken oder dem Betrachter eine Absicht zu vermitteln. Dies geschieht durch das Drehen des Motivs, das Neigen des Kopfes, die Positionierung des Körpers des Motivs und den Einsatz von Kleidung und Accessoires.

Der erste Punkt bei der Herangehensweise an das Posieren ist der Anteil des Körpers des Motivs, der das Porträt ausmacht. Es gibt keinen spezifischen Vorteil für die eine oder andere Herangehensweise, da jede ein anderes Aussehen ergibt. In erster Linie spricht man von Ganzkörper-, Dreiviertel-, Brust- und Nahaufnahmeporträts. Die häufigste Pose ist das Brustbild, das den gesamten Kopf ohne Ausschnitt und den oberen Teil des Oberkörpers umfasst. Ein Ganzkörperporträt muss nicht unbedingt ein stehendes Porträt sein, aber es zeigt den gesamten Körper. Die am wenigsten häufig verwendete Pose ist die Dreiviertelansicht, die den Kopf und den gesamten Oberkörper umfasst, aber selten den Körper unterhalb der Mitte des Oberschenkels zeigt. Die letzte Pose ist die Nahaufnahme oder das Ganzgesichtsporträt, bei dem das Gesicht stark eingegrenzt wird und die Schultern nicht zu sehen sind.

Unabhängig davon, wie viel von der Person im Porträt zu sehen sein wird, beginnt die Pose an den Füßen. Ob die Person sitzt oder steht, ob das Porträt in voller Länge oder in Nahaufnahme gezeigt wird, die Stellung der Füße bildet die Grundlage für das Porträt und bestimmt die Körperhaltung der Person. Die Griechen gaben uns das Konzept des contrapposto (ironischerweise ein italienischer Ausdruck, der ein griechisches Konzept beschreibt), das sich auf die Verlagerung des Gewichts der Person auf einen Fuß bezieht, oft den am weitesten vom Fotografen entfernten Fuß, und die Entspannung des vorderen Fußes. Diese geringfügige Gewichtsverlagerung führt zu einer Verschiebung der Wirbelsäule, verändert die Achse von Hüfte und Schultern und vermittelt ein Gefühl der Leichtigkeit in der Person.

Andere Fußstellungen vermitteln verschiedene andere Körperkonzepte. Bei der doppelten Plattfußstellung sind Schultern, Hüfte und Wirbelsäule tendenziell statisch positioniert. In der Haltung der „Aufmerksamkeit“ erinnert sie an militärische oder historische Statuen. Diese Fußstruktur schränkt die Bewegung der Hüften ein und erhöht die Muskelspannung, um das Gleichgewicht zu halten. Die Muskel- und Skelettspannung setzt sich über den Körper bis zum Nacken und Gesicht fort. Während die Spannung durch die starre, symmetrische Positionierung der Füße im gesamten Porträt erzeugt wird, können die Füße, wenn sie entspannter sind, eine schlechte Haltung hervorrufen.

Es ist üblich, dass Frauen im Kontrapost stehen und dabei die Krümmung der Wirbelsäule übertreiben, um die C- oder S-Kurve zu erzeugen. Das Ausmaß der Übertreibung wird durch das Genre des Porträts bestimmt. Auch Männer nutzen die Kontraposthaltung, doch bleibt die Hüfte kantig und wirkt dadurch maskuliner. Wenn das Gewicht auf den vorderen Fuß verlagert wird, selbst im Sitzen, verlagert sich das Körpergewicht in Richtung der Kamera und erzeugt eine aggressivere Aussage.

Diese Tabelle zeigt neun Posen, die für das weibliche Ganzkörper-Posing üblich sind.

So wie die Füße die Pose beginnen, übertragen die Beine die Posenergie auf die Hüften. Die Hüften wiederum geben den Winkel für den Oberkörper vor, definieren den Winkel der Wirbelsäule und bestimmen die Neigung des Kopfes. Je nach Flexibilität des Rumpfes bestimmt die Pose der Körpermitte, wie entspannt oder angespannt die Schultern und der Nacken erscheinen.

Mit Ausnahme von Ganzgesichts- und Nahaufnahmen sind die Schultern oder ihre Pose am Bild beteiligt. Meistens ist eine Schulter zur Kamera hin gedreht. In dieser Position kann der Kopf in vollem Umfang gedreht werden. Um den Bewegungsspielraum des Kopfes bei vertikaler Drehung und Gieren zu erleichtern, wird die der Kamera am nächsten liegende Schulter häufig gesenkt. Dies ist eine weit verbreitete Pose, da sie ein entspanntes Aussehen fördert. Das Posieren mit waagerechten Schultern oder mit der der Kamera am nächsten gelegenen Schulter erzeugt eine „Haltung“

Wenn die Arme und Hände ins Spiel kommen, werden die Komposition und das Posieren für das Porträt komplexer. Aufgrund der Flexibilität und Größe der Arme kann ihre Position innerhalb der Pose über den Erfolg des Porträts entscheiden. Beim Posieren können die Arme so platziert werden, dass sie sich für die Person angenehm anfühlen, aber dennoch ein gewisses Maß an Stil bewahren. Bei den meisten Porträts ist es ratsam, rechte Winkel an den Ellbogen oder Handgelenken sowie vertikale oder horizontale Linien mit beiden Teilen des Arms zu vermeiden.

Die Hände werden fast immer von der Seite betrachtet; dies macht die Person schlanker und ermöglicht anmutige Kurven bei der weiblichen Hand und kantige Formen bei der männlichen Hand. Die Ausnahme ist, wenn die Hände im Bild eine wichtige Rolle spielen. Bei Gruppenporträts gewinnen Hände und Arme als Ausdrucksmittel an Bedeutung. Die Pose bestimmt, ob eine Verbindung zwischen den Personen besteht und welche Emotion durch die Geste vermittelt wird. Die Interaktion der Hand mit dem Gesicht kann auch auf das Geschlecht schließen lassen. Eine geschlossene oder geballte Hand wirkt eher männlich, während eine entspannte oder leicht geschwungene Hand eher weiblich wirkt.

Im Gegensatz zu weiblichen Posen wird bei männlichen Posen eine Aufweichung der Pose durch abgerundete Schultern oder übertriebene Schultern, Hüften und Beine vermieden.

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