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Die Wirkung von Ibuprofen auf das Nervensystem

26. September 2017
Medikamentenforschung

Das beliebte Schmerzmittel Ibuprofen spielt eine Rolle in unserem Nervensystem. Forscherinnen und Forscher der Universität Kopenhagen konnten nun erstmals feststellen, wie das Medikament im Nervensystem wirkt. Die Forscher hoffen, dass dieses neue Wissen dazu beitragen kann, in Zukunft bessere und gezieltere schmerzlindernde Medikamente herzustellen.

Ibuprofen, auch bekannt als die Medikamente Ipren, Ibumetin und Brufen, ist ein schmerzstillendes Medikament (NSAID), das zur Behandlung von Fieber, Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird. Ibuprofen spielt aber auch eine Rolle für unser Nervensystem, denn das Medikament kann auch zur Behandlung von Schmerzen aufgrund von Säureschäden und zum Schutz vor bestimmten Arten von Hirnschäden durch Schlaganfall eingesetzt werden. Frühere Studien haben gezeigt, dass dies auf die Interaktion von Ibuprofen mit einem bestimmten Rezeptor – dem so genannten Säurerezeptor – im Nervensystem zurückzuführen ist, aber die Art dieser Interaktion war bisher unbekannt.

„Zum ersten Mal sind wir in der Lage, ein vollständiges Bild davon zu geben, wie Ibuprofen den Säurerezeptor im Nervensystem beeinflusst. Wir haben den Säurerezeptor, der immer dann aktiviert wird, wenn wir Schmerzen empfinden oder wenn Zellen absterben, z.B. nach einem Schlaganfall, genauer untersucht. Wir haben herausgefunden, dass Ibuprofen, grob gesagt, die Form des Rezeptors beeinflusst und verhindert, dass das Signal zur Aktivierung des Schmerzes an das Gehirn gesendet wird

Assistenzprofessor Stephan Pless

‚Zum ersten Mal können wir ein vollständiges Bild davon geben, wie Ibuprofen den Säurerezeptor im Nervensystem beeinflusst. Wir haben den Säurerezeptor, der immer dann aktiviert wird, wenn wir Schmerzen empfinden oder wenn Zellen absterben, z. B. nach einem Schlaganfall, genauer untersucht. Wir haben herausgefunden, dass Ibuprofen, grob gesagt, die Form des Rezeptors beeinflusst und so verhindert, dass das Signal für die Aktivierung des Schmerzes zum Gehirn gesendet wird“, sagt Privatdozent Stephan Alexander Pless vom Lehrstuhl für Wirkstoffdesign und Pharmakologie, der hinter der neuen Studie steht.

Neue Technik hilft den Forschern, die Wirkung von Ibuprofen nachzuweisen
Um die Wirkung von Ibuprofen auf das Nervensystem nachzuweisen, stellten die Forscher eine Reihe von leicht unterschiedlichen Versionen des Säurerezeptors her. Dabei untersuchten sie die Aktivität in der Zelle vor und nach der Zugabe von Ibuprofen und nahmen die Interaktion genauestens unter die Lupe. Dabei mussten sie eine neue Methode mit fluoreszierenden Substanzen anwenden, da die Rezeptoren so klein sind, dass sie mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Doch mit Hilfe der Fluoreszenztechnik, die die Rezeptoren zum Leuchten bringt, haben die Forscher weitere Erkenntnisse über den Prozess und die Bewegung der Rezeptoren gewonnen.

Die Forscher entdeckten, dass die Wirkung von Ibuprofen dadurch entsteht, dass der Rezeptor eine neue Form annimmt. Normalerweise nimmt der Rezeptor eine spezielle Form an, die von der Zelle als schmerzauslösend erkannt wird. Dann sendet die Zelle Signale an das Gehirn und der Schmerz wird empfunden. Wird jedoch Ibuprofen hinzugefügt, nimmt der Rezeptor eine andere Form an. Das bedeutet, dass die Zelle nicht in der Lage ist, es als schmerzauslösend zu erkennen und daher keine Signale an das Gehirn sendet.

Die Entdeckung wird helfen, Medikamente in der Zukunft gezielt einzusetzen
Die Forscher hoffen, dass ihre Entdeckung dazu beitragen kann, die Entwicklung von schmerzlindernden Medikamenten in der Zukunft gezielt zu verbessern.

„Als Forscher versuchen wir ständig zu lernen und neue Erkenntnisse über Medikamente und ihre Wirkungen zu gewinnen. Ibuprofen ist ein Medikament, das von vielen Menschen verwendet wird, und wir sind daher daran interessiert, ein vollständiges Bild davon zu bekommen, wie es auf den Körper wirkt. Zum ersten Mal wissen wir jetzt genau, wie es wirkt, und wir hoffen natürlich, dass andere dieses Wissen in Zukunft konstruktiv nutzen können, um neue und gezieltere Medikamente zu entwickeln

Assistenzprofessor Stephan Pless

‚Als Forscher versuchen wir ständig, zu lernen und neue Erkenntnisse über Medikamente und ihre Wirkungen zu gewinnen. Ibuprofen ist ein Medikament, das von vielen Menschen verwendet wird, und wir sind daher daran interessiert, ein vollständiges Bild davon zu bekommen, wie es auf den Körper wirkt. Zum ersten Mal haben wir jetzt detaillierte Kenntnisse über seine Wirkungsweise, und wir hoffen natürlich, dass andere dieses Wissen in Zukunft konstruktiv nutzen können, um neue und gezieltere Medikamente zu entwickeln“, sagt Stephan Pless.

Die Studie „Molecular basis for allosteric inhibition of acid-sensing ion channel 1a by ibuprofen“ wurde soeben im Journal of Medicinal Chemistry veröffentlicht und ist hier verfügbar.

Kontakt:
Assoziierter Professor Stephan Pless
E-Mail: [email protected]
Telefon: +45 23 64 90 66

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